| Pankow
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Beitrag der EAG
für die Zeitung "Rosen auf den Weg gestreut"
(Januar 2007)
Der Großbezirk Pankow ist mit 350.000 EinwohnerInnen
der bevölkerungsreichste Bezirk Berlins. Pankow nimmt
kontinuierlich in den Polizeistatistiken über ”Politisch
motivierte Straftaten Rechts ” und Wohnsitze organisierter
Neonazis sowie rechter Straftäter einen der vorderen
Plätze ein. Neben Kreis- bzw. Ortsverbänden der
NPD und der ”Republikaner ”, einem regionalen
”Stützpunkt” der ”Junge Nationaldemokraten
(JN)”,”Autonomen Nationalisten ”, Kameradschaftsaktivisten
und Anti-Antifas sind im Bezirk auch neonazistische Bonehead-cliquen,
Hooligans und rechte Rocker tätig. Besonders zwischen
NPD/JN und dem Kameradschaftsspektrum sind personelle Überschneidungen
sowie enge Kooperationsverhältnisse offensichtlich.
Die NPD - führend im Bezirk
Der NPD-Kreisverband 8 unter Führung von Jörg Hähnel
ist bestimmend für die Pankower Neonaziszene. Hähnel,
der mit seiner Familie (seine Frau Stella Palau ist derzeit
Landessprecherin
der NPD Berlin) ein Einfamilienhaus in Hohenneuendorf bewohnt,
sitzt seit August 2006 als Abgeordneter in der Lichtenberger
BVV. Seit Hauptaktionsfeld bleibt allerdings weiter Pankow.
Zu dem Kreisverband gehören etwa 40 Mitglieder, daher
existiert inzwischen noch ein Ortsverband Pankow, der von
Andreas Claus geleitet wird. Hähnel gilt als führendes
Mitglied der Vereinten Nationalisten Nordost (VNNO). Hier
kooperiert er eng mit gewalttätigen Neonazis. Dem Kreis
der NPD KV8 gehören auch André Werner, Patrick
Christian Wehrmeister und Melanie Ehring an. Letztere ist
eine Freundin der JN Nord-Ost Stützpunktleiterin Stefanie
Piehl. Auch der ehemalige Pankower REP-Vorsitzende Detlef
Britt betätigt sich inzwischen bei der NPD.Ein weiteres
bekanntes, derzeit jedoch inhaftiertes Mitglied des KV 8 ist
der ehemalige Sänger der - staatlicherseits als kriminelle
Vereinigung eingestuften - Rechtsrockgruppe Landser, Michael
”Lunikoff” Regener. Seine Mitgliedschaft steht
für die seit 2004 zunehmenden Bemühungen der NPD,
sich auch mit militant-neonazistischen Teilen der rechten
Szene zu vereinen. Im Jahr 2006 versuchte die Pankower NPD
vor allem mit massiven Aufkleberwellen und der Teilnahme an
Demonstrationen in Heinersdorf mit dem Thema Moschee-Bau zu
punkten.
JN Stützpunkt Nordost - If the kids are united
Am 16.Oktober 2005 plakatierten circa 15 Personen, darunter
Stefanie Piehl, die Leiterin des JN-Stützpunktes Nord-Ost,
und der Ex-BASO-Aktivist und verurteilte Gewalttäter
Markus Loszczynski aus Treptow für eine JN-Demonstration,
die am 22.Oktober 2005 in Pankow stattfand. Anschließend
posierten sie vor der Jugendeinrichtung Kurt-Lade-Klub und
bedrohten Passanten. Der JN-Stützpunkt Berlin-Nord-Ost
ist eine erst 2005 entstandene Untergliederung des NPD KV
8, die besonders Jugendliche über Veranstaltungen und
Propaganda ködern will. Hinter dieser parteiförmigen
Bezeichnung verbergen sich jedoch vorwiegend Kameradschaftsneonazis.
Die Leiterin des Stützpunkts Stefanie Piehl trat in den
letzten beiden Jahren immer wieder zusammen mit Aktivisten
der verbotenen Kameradschaften ”Tor” und ”Berliner
Alternative Süd-Ost” auf. In den letzten Jahren
war sie an mehreren militanten Übergriffen beteiligt.Eine
Demonstration am 22.Oktober 2005 unter dem Motto „Mehr
Geld und soziale Gerechtigkeit für die deutsche Jugend!”
vom S//U-Bhf Pankow zum S-Bhf.Heinersdorf war die bisher größte
Aktion der JN in Pankow.
Vereinte Nationalisten NordOst
Ab Mai 2004 trat mit massiven Aufkleberaktionen eine neue
Gruppierung in die Öffentlichkeit, die ebenfalls als
Ausdruck der erweiterten Kooperation von NPD/JN-und Kameradschaftsaktivisten
in Pankow zu werten ist: Die ”Vereinten Nationalisten
Nordost ”(VNNO). Auf Tausenden Aufklebern wurden rassistische,
nationalistische und Anti-Antifa-Parolen verbreitet und es
wurde gegen den Lade-Klub und das linksalternative Jugendzentrum
”Bunte Kuh” in Weißensee gehetzt. Die Aufkleber
wurden meist nachts von größeren Gruppen (bis zu
10 Personen) in ganz Pankow, vor allem aber in den Ortsteilen
Niederschönhausen und Heinersdorf verklebt. Die Gruppierung
trat in letzter Zeit nur noch selten öffentlich auf.
„Autonome Nationalisten”, Kameradschaften,
Anti-Antifa
Bei den Pankower Kameradschaftsstrukturen handelt es sich
um ein Netzwerk von etwa 15-20 Personen, das unter wechselnden
Bezeichnungen wie u.A. „Autonome Nationalisten Pankow“
agiert. Aufkleber mit diesen Labeln tauchten ab 2003 immer
wieder in Pankow auf. Inhaltlich bestanden diese Aufkleber
meist aus Gewaltdrohungen gegen NeonazigegnerInnen und offenen
Bezugnahmen auf den Nationalsozialismus. Diesem Spektrum sind
unter anderem Andy Fischer und Martin Stelter, Kevin Platzk,
Steven Ringert und Toni Böhm zuzuordnen. Letzterer spielt
laut Polizei eine zentrale Rolle in der Pankower Struktur.
Bei Durchsuchungen in Andy Fischers und Martin Stelters Wohnungen
wurden neben Listen mit Namen und Adressen politischer Gegner
auch Waffen gefunden. Weiterhin sind die Pankower Christopher
„Puffer“ Wilhelm, Paul Schneider, Dirk Müller
und Michael Weiß in diesem Kreis aktiv. Weiß versuchte
sich auf den letzten Neonaziaufmärschen vermehrt als
Anti-Antifa-Fotograf. Viele dieser Personen arbeiten eng mit
der NPD zusammen. So halfen sie bei Plakataktionen in Pankow
aus.
NAPB und KS Phönix - kopflose Aktionen in Prenzlauer
Berg
Die ”Nationalen Aktivisten Prenzlauer Berg ” (NAPB)
ist im wesentlichen ein Produkt der Neonazis Ines Wegner und
Kristian Lindner. Die Aktivitäten gehen nicht über
eine Internet4präsenz, vereinzelte Teilnahme an Aufmärschen
und Aufkleberaktionen hinaus. Aktivisten der NAPB wohnen im
Erich-Weinert-Viertel und am nahe gelegenen Thälmannpark
und fallen dort durch Bedrohungen gegenüber linken Jugendlichen
auf. Das im Park liegende Denkmal Thälmanns wurde in
der Vergangenheit öfter mit rechten Parolen besprüht,
so wurde der Park von Neonazis mit Sprühereien in ”Rudolf
Hess Gedenkpark ” umbenannt. Hier ist auch ein Aktionsgebiet
der Kameradschaft Phönix. Die Neonazis Richie Franke
und Anne Thederan sind dieser Struktur zuzuordnen. Franke
fiel in der Vergangenheit regelmäßig als Nazischläger
auf, so unter anderem, als eine Gruppe von 20 Neonazis am
19.Dezember 2005 versuchte, eine antifaschistische Veranstaltung
im “Haus der Demokratie” anzugreifen.Auf dem absteigenden
Ast:
Die REPs
Die Zentrale der rechten Partei der ”Republikaner”,
die sich in der Garbaty-Villa in der Nähe von Pankow-Kirche
befand und in der Vergangenheit für Treffen und Seminare
genutzt wurde, musste wegen finanzieller Nöte in eine
Wohnung in der Berliner Straße umziehen. Der Vorsitzende
des Verbandes Michael Rauschenbach profitierte von einer Wahlabsprache
mit der NPD und errang ein Mandat für die Pankower BVV,
in der er seit August sitzt. Darüber hinaus hat der Verband
keinerlei Aussenwirkung. |